Monday, June 11, 2012


"Meinst Du mich?"
Gastvortrag von Nicki Schaepen an der Katholisch-Theologischen Fakultät Augsburg, Stiftungsprofessur Theologie des geistlichen Lebens, am 31. Mai 2012

„An diesem Abend wollen wir die gute Tradition der Gastvorträge fortsetzen.“ mit diesen Worten begrüßte Herr Prof. Dr. Wolfgang Vogl, Stiftungsjuniorprofessor für Theologie des geistlichen Leben an der Universität Augsburg, am 31. Mai 2012 die anwesenden Gäste zum Vortrag des Kunsthistorikers, Theologiestudenten und Malers Nicki Schaepen, der nach Augsburg gekommen war, um über das Thema „Eine gemalte Messtheologie? Caravaggios Gemälde für die Contarelli-Kapelle im Spiegel der tridentinischen Reform.“ zu sprechen.

In seinem quellen- und kenntnisreichen Vortrag stellte Nicki Schaepen von den insgesamt drei Gemälden der Contarelli-Kapelle das Bild mit der Bekehrung des Zöllners Matthäus in den Mittelpunkt. Zunächst ging er detailliert auf die Komposition dieses Bildes ein, um die Zuhörer zu den theologie- und spiritualitätsgeschichtlichen Dimensionen des Gemäldes hinzuführen. Dabei erwähnte er auch die in der Fachwelt anhaltende Diskussion über die genaue Bestimmung der abgebildeten Personen. Ausführlich ging Nicki Schaepen auf die In-situ-Bedeutung des Gemäldes mit der sich in der Kapelle vollziehenden Messliturgie als Schlüssel zum Verständnis des theologischen Bildprogramms der Kapelle ein. Dabei lieferte der Doktorand der Kunstgeschichte auf hohem wissenschaftlichen Niveau eine detailreiche und in allen Punkten nachvollziehbare Interpretation des Berufungsbildes. Nicki Schaepen gelang es, Lichtführung, Komposition, Gestik und Bewegungsmotive der Akteure vor dem Hintergrund der tridentinischen Rechtfertigungslehre zu interpretieren. Unter anderem führte er auch aus, wie der Betrachter selbst in das Geschehen des Bildes hineingezogen wird, indem auch er sich der Frage nicht verschließen kann, die Matthäus auf dem Bild zu stellen scheint, als ihn Jesus beinahe im Vorbeigehen in seine Nachfolge ruft: „Meinst Du mich?!“

In der sich an den Vortrag anschließenden lebhaften und kenntnisreichen Diskussion, bot sich für die Gäste des Vortrags die Möglichkeit mit Nicki Schaepen ins Gespräch zu kommen und noch einmal den Fokus auf einzelne Aspekte des Gehörten zu lenken.

Mit einem herzlichen Wort des Dankes an den Redner und die Gäste beschloss Prof. Dr. Vogl den Abend und gab bereits den Hinweis auf den nächsten Gastvortrag der „Theologie des geistlichen Lebens“ am 23. Oktober 2012 mit Prof. em. Dr. Alois Maria Haas.

Zitiert aus: http://www.kthf.uni-augsburg.de/prof_doz/prakt_theol/vogl/Aktuelles/bericht_gastvortrag.html

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Vortrag
Meinst du mich?

Kunsthistoriker Schaepen deutet Caravaggios Matthäus-Bilder Von Alois Knoller

Die Vorgaben standen fest, als Caravaggio 1599 beauftragt wurde, Kardinal Contarellis Kapelle in S. Luigi dei Francesi in Rom auszumalen. Doch schon im ersten Bild „Die Berufung des Matthäus“ überwand Caravaggio den gängigen Manierismus und setzte aktuelle theologische Aussagen des Reformkonzils von Trient (1545–1563) im Stil des Frühbarocks um. Nämlich die Erleuchtung des Menschen durch die übernatürliche Gnade. Detailreich sprach darüber der Kunsthistoriker Nicki Schaepen im Gastvortrag der Stiftung Theologie des geistlichen Lebens an der Universität.

Caravaggio malte Menschen seiner Zeit, sehr individuell im Unterschied zu den stilisierten Figuren auf den manieristischen Bildern. Fünf Personen sind in einem düsteren Raum am Tisch versammelt, es geht um Geldgeschäfte. Mittendrin ein sichtlich erschrockener Mann mit Bart, der auf sich zeigt, als wollte er sagen: Meinst du mich? Seine rechte Hand liegt auf Silbermünzen, ein vorgebeugter, verschatteter Jüngling entzieht ihm gerade ein paar.

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Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den Mann mit Heiligenschein, der ganz rechts die Hand im Zeigegestus ausstreckt; über ihm fällt ein breiter Lichtschein diagonal in den Raum. Er trifft auch zwei Edelleute, die am Tisch sitzen. Jesus ist es, der aber in einer Drehbewegung schon wieder im Aufbruch begriffen ist. Vor ihm verstärkt ein Mann im Mantel und mit Pilgerstab die erwählende Geste; es ist der Apostel Petrus, er hat das Ohr bei Jesus und den Blick bei den zu Lehrenden.

Nach Schaepens Worten erfüllte das Gemälde genau die zeitgenössischen Anforderungen an ein religiöses Motiv: Christus sollte „klar und deutlich“ darin sprechen. Der Zeigegestus entspricht Michelangelos Erschaffung des Adam. Bei Caravaggio bewirkt Jesus jedoch Selbsterkenntnis in seinem Gegenüber. Im Zeichen des Kreuzes, das die Fenstersprossen in dem Gemälde bilden, bricht real und innerlich die Gegenwart Gottes ins Menschenleben ein.

Es geht um die freie Willenszustimmung. Der Finger Gottes (ein klassischer Name des Heiligen Geistes) rührt den Menschen in der Seele an und bewirkt Freundschaft mit Gott. Den freien Platz am Tisch deutete Schaepen als eine Anfrage an den Betrachter. Im Anblick des begnadigten Sünders sollte er selbst Vertrauen in Christus fassen.