Thursday, February 22, 2007

Neues vom "blauen" Ingres
Nicki Schaepen nach J.A.D. Ingres, Princesse Albert de Broglie, 2003, Öl auf Leinwand, 120 x 90 cm.

Kaum hätte ich gedacht, daß ich dieses Bild einmal zu schätzen lernte, all zu sehr ist es doch bestimmt von jenem Makel, der geboren ist aus einem nervösen und all zu materialgefälligem Geist. Als ich damals, es ist nun schon fast vier Jahre her, mit der Arbeit begann, begehrte ich ein Bild zu besitzen, das die backsteingetönte Wand meines Salons vornehm beleben sollte. Allein, töricht ging ich zu Werke!

Doch in der Hoffnung, es werde noch jenen, die sich in historischen Maltechniken üben, von Nutzen sein, nenne ich seine wesentlichen Komponenten:

1. zweifache Ölgrundierung von Cornelissen & Sons (siehe Linkliste)
2. Blaßlokalfarbene Tönung mit Dammar 1:10; Ölfarben der Marke "Oudt Hollandse"
3. Übermalung in deckenden und halbdeckenden Ölfarben
4. Lasur, Vertiefung der Schattenpartien (Decolletée), Malmittel: Dammar 1:4.


Möge der geneigte Betrachter die Güte besitzen, mir seine werte Meinung in der Rubrik "Kommentar" kundzutun. Gerne gebe ich auch weitere Auskunft.

4 comments:

Anonymous said...

Sehr schöne Ausführung! Punkt 4. dient also nur der Vertiefung mittels Lasur. Mit "Decollete" meinen sie die stellen unter der Schleife und der Draperien? Maltechnisch kann ich mir im Bereich der Haut keine Lasur vorstellen - zu fett und deckend scheint mir dort der Farbauftrag. Womöglich mit einer noch fetteren Lasur? Aus der Perspektive der Lichtquelle (von schräg oben) liegen Körper und Krinoline auf einer Ebene. Vom Betrachungswinkel ausgehend liegt der Oberkörper ca. 40 cm hinter den vordersten Partien der Krinoline - unter diesen umständen könne ich mir durchaus eine sinnvolle Lasur der hellen Stellen des Oberköpers vorstellen. Einerseits bildet die Beleuchtungsebene aus Haut und Krinoline einen Helligkeitswert, von vorne betrachtet entsteht jedoch im Bereich des Oberkörpers (durch die Lasur) der Eindruck optischer tiefe (von ca. 40 cm). Demnach müsste die Haut etwas heller angelegt werden damit nach den Auftrag der Lasur der Helligkeitswert stimmt.

Hatten sie schon Erfahrung mit solchen Tempera-Standöl-Weisshöhungen welche ganz zuletzt auf die feuchte Ölschicht gesetzt werden?

Beste Grüsse

Nicki Schaepen said...

Lieber Anonymus!

Haben Sie vielen Dank für Ihren fachlichen Kommentar. Um gleich einige Dinge vorweg zu sagen: Bei dem vorliegenden Bilde handelt es sich nicht um ein klassisches Lasurbild. Ingres' Malweise ist zwar eine schrittweise, aber doch entspricht sie nicht den Vorstellungen der klassischen Lehrbücher (Doerner, Wehlte) von einem mehrfachen Lasuraufbau über monochromer Untermalung. Vielmehr werden die entsprechenden Bildpartien leicht vorgewischt und eine erste Schattierung angelegt. Dazu verwendete ich rekt. Terpentin mit einem minimalen Dammar Zugabe 1:4, um ein Zerfließen bei all zu großer Verdünnung zu vermeiden. Nach dem oberflächlichen Durchtrocknen (ca. 1 Woche) habe ich dann, so direkt wie möglich, mehr oder weniger alla prima Ölfarbe aufgetragen und lediglich kurze Aufwischer Lasuren angesetzt, die das direkt erzielte Ergbnis hie und da korrigierten.

Zwar habe ich mit Temperaweißhöhungen in naßer Ölfarbe gute Erfahrungen gemacht (so zum Beispiel in der Malerei des Cinquecento oder der nordischen des 15. Jahrhunderts und auch noch bei Caravaggio und bei einzelnen Barockmeistern), aber Ingres hätte eine solche Malweise nicht gewählt. Zumal ist die verwendete Grundierung ölgebunden, so daß eine Höhung durch Temperaweiß technisch abwegig ist. Standöl verwende ich lediglich als Ersatz für Oleum Crassum. Haben Sie damit schon Erfahrungen gesammelt? Es lassen sich damit hervorragende Temperastrukturen erzielen und auch als Zusatz zu festangeriebenem Ölbleiweiß ist es in Verdünnung mit Terpentin ein sehr empfehlenswertes Medium für einzelne Akzente.

Nochmals danke ich Ihnen für Ihren Kommentar. Herzliche Grüße!

Nicki Schaepen

Nicki Schaepen said...

Lieber Anonymus!

Haben Sie vielen Dank für Ihren fachlichen Kommentar. Um gleich einige Dinge vorweg zu sagen: Bei dem vorliegenden Bilde handelt es sich nicht um ein klassisches Lasurbild. Ingres' Malweise ist zwar eine schrittweise, aber doch entspricht sie nicht den Vorstellungen der klassischen Lehrbücher (Doerner, Wehlte) von einem mehrfachen Lasuraufbau über monochromer Untermalung. Vielmehr werden die entsprechenden Bildpartien leicht vorgewischt und eine erste Schattierung angelegt. Dazu verwendete ich rekt. Terpentin mit einem minimalen Dammar Zugabe 1:4, um ein Zerfließen bei all zu großer Verdünnung zu vermeiden. Nach dem oberflächlichen Durchtrocknen (ca. 1 Woche) habe ich dann, so direkt wie möglich, mehr oder weniger alla prima Ölfarbe aufgetragen und lediglich kurze Aufwischer Lasuren angesetzt, die das direkt erzielte Ergbnis hie und da korrigierten.

Zwar habe ich mit Temperaweißhöhungen in naßer Ölfarbe gute Erfahrungen gemacht (so zum Beispiel in der Malerei des Cinquecento oder der nordischen des 15. Jahrhunderts und auch noch bei Caravaggio und bei einzelnen Barockmeistern), aber Ingres hätte eine solche Malweise nicht gewählt. Zumal ist die verwendete Grundierung ölgebunden, so daß eine Höhung durch Temperaweiß technisch abwegig ist. Standöl verwende ich lediglich als Ersatz für Oleum Crassum. Haben Sie damit schon Erfahrungen gesammelt? Es lassen sich damit hervorragende Temperastrukturen erzielen und auch als Zusatz zu festangeriebenem Ölbleiweiß ist es in Verdünnung mit Terpentin ein sehr empfehlenswertes Medium für einzelne Akzente.

Nochmals danke ich Ihnen für Ihren Kommentar. Herzliche Grüße!

Nicki Schaepen

Anonymous said...

Guten Tag Her Schaepen! Sehr Interessant...
Schichten von nasser fetter Ölfarbe sollten für eine Temperaweisshöhung kein Hindernis sein.
Wie kommt es dann, dass eine Ölgrundierung sich negativ auf diese Höhung auswirkt?
Der Polymerisationsprozess der Ölfarbe sollte ein umgreifenderer sein als jener der sich der Grundierung widmet. Es sei denn es handelt sich um verhängnisvolle Grundierungen bestehend aus Ölfarbenresten so wie sie im 19. Jhdt vereinzelt üblich waren.

Ich schätze das Oleum Crassum auch sehr -besonders wegen seiner Farbtiefe und dem Schmelz. Wusste aber nicht dass für „Sonneneingedicktesstandöl“ ein Fachbegriff existiert. Vor fünf Jahren hatte ich einen halben Liter angesetzt aber leider ging vieles davon durch Klumpen und Hautbildung verloren. Ein verschraubtes Gurkenglas ist eben kein Ort für solch ein nervöses Dicköl. Ein schmales hohes Gefäß in dem das Oleum Crassum mit Wasser bedeckt wird könnte die bessere Lösung sein.


Beste Grüsse!