Wednesday, December 20, 2006


HERZLICHE EINLADUNG ZU:
Oscar Wilde
Bunbury - Eine triviale Kömodie für ernsthafte Leute
am 23., 24. und 25. Januar 2009, jeweils 20.00 Uhr s.t.

Gewölbekeller des Bischöflichen Theologenkonvikts Wilhelmsstift Tübingen.

Ich spiele Algernon Moncrieff
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Tuesday, December 12, 2006

Das Fastentuch im Mittelalter - Entstehung und Tradition
Refernt: Nicki Schaepen, Montag, 12. März 2007, 20 Uhr, Marienkirche Mössingen

Anläßlich der Hungertuchausstellung, die in Kooperation mit dem bischöflichen Hilfswerk Misereor noch bis zum 3. April in der Mössinger Marienkirche zu sehen ist, findet eine Vortragsreihe statt, die in Ergänzung zu den geistlichen Veranstaltungen weitere Anstöße geben will.

Am morgigen Donnerstag, 1. März, 20 Uhr wird die Reihe durch Prof. E. Aheimer, Reutlingen und M. Binder, ehem. Atelierleiter Pausa mit dem Thema "Künstlerische Aspekte der Hungertücher und ihre drucktechnische Umsetzung" eröffnet. M. Binder war über zwanzig Jahre lang für die Herstellung der Misereor-Hungertücher verantwortlich und maßgeblich an deren Erfolg beteiligt. Sein reicher Erfahrungs- und Anekdotenschatz ist für jeden, der ihm begegnet, ein Quell tiefer Freude.

Der zweite Vortrag, den ich selbst halten werde, will einen Blick werfen auf die Entstehung und liturgische Funktion der Fastentücher. Zudem werde ich mir erlauben, es den mittelalterlichen Symbolikern gleichzutun und das Konzept unserer Ausstellung in seiner ganzen inhaltlichen Tiefe zu erläutern. Danach wird das spätmittelalterliche Meditationstuch aus dem Umkreis des hl. Niklaus von Flüe, das in unserer Ausstellung zu sehen ist, eingehend analysiert.

Abgeschlossen wird die Reihe am 21. März, 20 Uhr durch W. Urban, Direktor des Diözesanmuseums Rottenburg und Sieger Köder! Köder wird über sein Hungertuch "Hoffnung den Ausgegrenzten" von 1996 sprechen. Aus diesem Anlaß haben wir zudem das Original Köders in der Ausstellung.

Liebe Freunde!

Auf vielfachen Wunsch stelle ich nachfolgend jenen Artikel zum Lesen bereit, den das Schwäbische Tagblatt am 18. Jänner diesen Jahres veröffentlicht und der - zu meinem Erstaunen - ein größeres Echo bewirkt hat.

Kunsthistoriker, Künstler, Katholik
Nicki Schaepen aus Mössingen kopiert Alte Meister und ist Spezialist für Hungertücher

MÖSSINGEN. Die Waibachstraße ist ein Stück Alt-Mössingen. Dort stehen Jahrhunderte alte Häuser, wohnen Alteingesessene und Mössinger Originale. Doch in einem der jüngeren Bauwerke, gleich bei der Kirche, wähnt man sich in einem englischen Cottage, wenn man die Einliegewohnung im Erdgeschoß betritt. Es ist der Wohnsitz von Nicki Schaepen, eines Kunsthistorikers und Kopisten, der die Hungertuch-Ausstellung in der Marienkirche mitgestaltet (wir berichteten).

Das Zimmer wirkt mit seinen roten Tapeten, dem offenen Kamin im Hintergrund, den kleinen, feinen Empire-Möbeln und wertvollen Ölbildern an den Wänden absolut stilecht: Ingres, Delacroix, Rembrandt, Raffael, Giordano. Alles, was gut und teuer ist. Doch das meiste davon ist eine Täuschung: Der Bewohner dieser vier Wände ist ein Maler, der seit dem elften Lebensjahr Alte Meister kopiert – und das nicht schlecht: Aus der Ferne ist man geneigt, sein Selbstbildnis des jungen Rembrandt für ein etwas aufgefrischtes Original zu halten.
„Ein Jugendwerk“, schränkt Nicki Schaepen sogleich ein. Der 29-Jährige hat das Auftreten und Understatement eines englischen Dandys. Dabei ist er in Hechingen geboren, in Mössingen aufgewachsen, aufs Quenstedt-Gymnasium gegangen und hat bei der Körperbehindertenförderung seinen Zivildienst gemacht. Danach an der Tübinger Uni Kunstgeschichte, Neuere Geschichte und Empirische Kulturwissenschaft studiert und dort auch –nach einem Abstecher nach Berlin – im vergangenen Jahr Examen gemacht. Jetzt bewirbt er sich gerade um ein Stipendium in Oxford und tüftelt an einer Doktorarbeit.

Eine ganz normale Akademiker-Laufbahn also, wäre da nicht dieses ungewöhnliche Hobby. Woher er seine Leidenschaft für Alte Meister nahm, vermag Nicki Schaepen nicht zu sagen. Sein Vater ist Werkzeugmacher, seine Mutter war Näherin bei der Pausa, zu Hause überm Küchentisch hing lediglich eine Reproduktion, ein billiger Druck. Dennoch entwickelte Schaepen über Jahre eine Kennerschaft, ja sogar Virtuosität im Umgang mit alten Farben, Firnissen, Leinwänden und Herstellungsverfahren, um das ihn vermutlich mancher Fälscher beneiden würde.

„Das ist für mich auch während des Studiums ein Ausgleich zur bloß theoretischen Beschäftigung mit der Kunst geblieben“, sagt Nicki Schaepen. Durchs Kopieren fand er einen – seinen ganz eigenen Zugang zur Kunst voriger Jahrhunderte. Er konnte sich ganz sinnlich-praktisch, sozusagen mit dem Pinsel in der Hand, ans Lebensgefühl früherer Epochen herantasten. Kein Wunder, daß ihm auch im Studium alte Kunst näher lag als Junge Wilde.

Zur Hungertuch-Ausstellung kam Schaepen aus einem anderen Grund: weil er in der katholischen Gemeinde aktiv ist. Gemeindereferntin Gabriele Ruppert fragte ihn, ob er Interesse daran habe, etwas beizutragen. Und Nicki Schaepen sagte ja. Von ihm kommen nun der erklärende Einführungstext und die ikonographischen sowie liturgischen Erläuterungen zu den Hungertüchern, die in der Schau ausgestellt sind.

Das Thema Hungertuch hat den jungen Kunsthistoriker, Künstler und Katholiken sogleich beeindruckt, weil es eine große Vielfalt historischer, sozialer, künstlerischer und religiöser Zugänge zur Kunst bietet. Bis zum Mittelalter waren die Fastentücher unbemalt und hatten einzig und allein den Zweck, das liturgische Geschehen vor der Gemeinde zu verbergen. Später entstanden dann zum Teil sehr kostbare, bemalte und verzierte Hungertücher, die fürs leseunkundige Volk die Funktion einer Armen-Bibel hatten. Alles Unikate.

Die jüngeren Hungertücher hingegen sind in Massen-Auflagen bis zu 40 000 Stück gedruckt worden, auch bei Pausa. Es sind darunter künstlerisch sehr anspruchsvolle Entwürfe wie das Hungertuch des deutschen Künstlers und Priesters Sieger Köder, das des argentinischen Friedensnobelpreisträgers Adolfo Pérez Esquivel oder des Haitianers Jacques Chéry, aber auch Arbeiten namenloser Indios aus Peru, die dennoch allesamt eine deutliche Botschaft haben: den Hunger nach sozialem Ausgleich und Gerechtigkeit in der Welt.

Ulrich Eisele

Info Die Hungertuch-Ausstellung wird am 21. Februar in der Marienkirche eröffnet. Am 12. März hält Nicki Schaepen dort einen Vortrag über „Das Fastentuch im Mittelalter – Entstehung und Tradition“.

Kunst – Nicki Schaepen kopiert Alte Meister, malt eigene Bilder und forscht über die Bedeutung der Hungertücher
Beeindruckt von der Bildsprache
von Raphaela Weber

MÖSSINGEN. Ob er die Hungertuch-Ausstellung in der Marienkirche mitgestalten wolle? Als Gemeindereferentin Gabriele Ruppert erfuhr, daß der in der Kirchengemeinde engagierte Nicki Schaepen Kunsthistoriker ist, wandte sie sich an ihn. „Ich habe gleich ja gesagt.“ Nicki Schaepen plante mit, wie die Tücher im Kirchenraum aufgehängt werden. Und er schrieb die Texte für den Ausstellungsführer. Kirchengeschichtliche und liturgische Bedeutung der alten Hungertücher faszinieren ihn. Mit ihnen wurde der Hochaltar während der vorösterlichen Fastenzeit verhüllt. Ursprünglich waren diese Tücher auch nicht bemalt. „Es war nur weißes Leinen“, weiß der Kunstsachverständige.

Erst im Hochmittelalter bemalte man sie mit Szenen aus der Heilsgeschichte. „Sie wirken dadurch wie ein aufgeschlagenes Buch“, so Nicki Schaepen. Es sei schwierig, über die Geschichte der Hungertücher zu forschen und sich zu informieren. „Es gibt viele regionale Besonderheiten“. Vieles in der Literatur sei ungenau und widersprüchlich.

Die modernen Hungertücher wurden erst 1976 wieder entdeckt. Sie besagen jetzt etwas ganz anderes: „Sie verhüllen nichts mehr, sie zeigen etwas“. So vielfältig künstlerisch sie auch gestaltet sind, eines haben sie gemeinsam: „Die Menschen, die sie gemalt haben, wollen damit auf die Nöte in ihrem Land aufmerksam machen und bitten um Hilfen und Solidarität.“

Die Bildsprache der modernen Hungertücher – viele von ihnen entstehen in den Entwicklungsländern – beeindruckt Nicki Schaepen besonders. „Sie ist sehr unmittelbar, direkt und dadurch leicht zu begreifen“. Die Symbole seien einfach zu verstehen, und sie berührten die Menschen auf ganz unterschiedliche Weise, weil sie verschiedene Interpretationen zulassen. „Das finde ich sehr schön“, sagt er. Die Erforschung der Hungertuch-Tradition für die aktuelle Ausstellung ist nur ein Arbeitsgebiet Nicki Schaepens.

Auf einem anderen Sektor begann er vor vielen Jahren: Er kopiert leidenschaftlich gern Alte Meister. Über dem Eßtisch der Familie hing ein Druck von Giovanni: „Der Ölberg-Christus“. Während er als elfjähriger Junge an diesem Tisch seine Hausaufgaben machte, malte er diesen Druck mit Buntstiften ab. Diese Kunst entwickelte er weiter.

Mit steigender Höhe des Taschengeldes wurden auch die Mal-Utensilien immer ausgefeilter. Van Dyck, Delacroix, Rembrandt: Alles, was in der Welt der Malerei Rang und Namen hat und sonst nur in den Museen zu sehen ist, hängt bei ihm im Wohnzimmer und bringt die Besucher zum Staunen. „Leider sind das nur Kopien“, sagt Nicki Schaepen und lacht.

Aber er hat die Kopien meisterlich angefertigt. Sie wirken täuschend echt und schmücken die Wände eines Zimmers, das wirkt, als würde man mitten in Mössingen, gleich neben der Peter- und Paulskirche, ein englisches Cottage betreten. „Ich bin ein großer Englandfan“, bekennt Nicki Schaepen, der in Hechingen geboren wurde. Aufgewachsen ist er in Mössingen. Nach dem Abitur am Quenstedt-Gymnasium studierte er Kunstgeschichte und Neuere Geschichte. Er hat auch Echtes in seinem Wohnzimmer: Die Tapete in einem warmen Rot ist eine Originaltapete aus England. Das Mobiliar sind Erbstücke. Im Raum nebenan hat der 29-Jährige sein Atelier.
Hier kopiert er nicht nur, er malt auch eigene Bilder. Gerade arbeitet er an einer Venedig-Ansicht. Und er hat ein Faible für Benedikt XVI. Nicki Schaepen arbeitet an einer Serie über den Papst. Ist der Papst denn schwierig zu malen? „Nein, überhaupt nicht“, sagt er, es sei vielmehr interessant, ihn zu malen. Bei einem Papstporträt, von denen es viele gebe, lasse sich auch gut an die Tradition anknüpfen, für die sich die klassische Malweise eignet. Für das große Papstbild hat er Fotovorlagen verwendet. „Ich kann ihn ja nicht persönlich malen“, bedauert er ein bißchen und lacht dabei.

Fastentuch-Vortrag
Ergänzend zur Ausstellung in der Mössinger Marienkirche gibt der Kunsthistoriker Nicki Schaepen am Montag, 12. März, einen Einblick in die Entstehung und Tradition des Hungertuches. Sein Vortrag „Das Fastentuch im Mittelalter“ beginnt um 20 Uhr. Für den musikalischen Rahmen sorgt das Holzbläser-Ensemble der Jugendmusikschule Steinlach unter Leitung von Michael Koch.


Entnommen aus: Reutlinger Generalanzeiger am 10. März 2007.